[Rezension] Antonio Iturbe – Die Bibliothekarin von Auschwitz [53/2020]

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Verlag: Pendo (Piper)
Autor: Antonio Iturbe
Übersetzung: Karin Will
Veröffentlichung: 31.08.2020
Genre: #GegendasVergessen, Historisch, Holocaust
Zeitalter: 1944-45
Seiten: 464
Preis ebook 18,99
Herkunft: Rezi Exemplar Netgalley
Reihe: nein


Ein Ort des Schreckens. Acht Bücher, die alles ändern.

Im alles verschlingenden Morast des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau hat der Blockälteste Fredy Hirsch heimlich eine Schule aufgebaut. Ihr wertvollster Besitz sind acht alte, zerfallene Bücher. Fredy ernennt die 14-jährige Dita zur Bibliothekarin, sie soll die verbotenen Bände künftig verstecken und schützen. Dita, die schon früher Trost in Büchern gefunden hat, kümmert sich mit äußerster Hingabe um „ihre“ kleine Bibliothek. Und die Bücher geben zurück: Sie schenken Licht, wo nur noch Dunkelheit zu sein scheint, und bieten einen Anker, wo der Schmerz zu übermannen droht. Die Bücher begleiten Dita und die anderen Häftlinge durch die Zeiten der größten Verzweiflung, bis wieder ein neuer Hoffnungsschimmer zu erkennen ist.

Eine ergreifende Auschwitz-Geschichte über die Magie der Bücher, erzählt nach einer wahren Begebenheit.

Holocaust Bücher sind nur sehr schwer zu ertragen und ich weiß im Grunde vor dem Lesen schon, dass mich das Thema völlig zerstören wird und ich gebrochen und verzweifelt zurück bleiben werde, aber ich denke immer, dass man es den Menschen schuldet ihre Geschichte zu lesen und vor allem auch weiterzuerzählen. Nur so kann man dafür sorgen, dass sich so etwas nicht noch einmal wiederholt!

Wir begleiten Edita Adlerova, die damals 14 jährige ist nach langem hin und her mit ihrer Familie von Prag nach Auschwitz- Birkenau deportiert worden. Das junge Mädchen ist eine Kämpferin, die bis zum Schluss niemals aufgegeben hat. Ihre Einstellung hat mich zutiefst berührt.

Sie entdeckt, was damals kaum vorzustellen war – eine Baracke in der heimlicher Schulunterricht stattfand und vor allem in der es 8 Bücher gab, die vor den Augen der Nazis immer wieder versteckt wurden.

Dita kommt mit Fredy Hirsch ins Gespräch, der Barackenälteste war ein verschlossener Lehrer, der Gymnastik und Sport unterrichtet und sich schon in jüngsten Jahren für die Kinder im Lager eingesetzt hat. Ihm haben sie die extra Baracke 31 zu verdanken wo die Kinder tagsüber dem Lageralltag entfliehen konnten. Dort gab es Gesang, Spiele und eben auch den heimlichen Schulunterricht.

Dita übernimmt die Aufgabe, die Bücher vor den Nazis zu verstecken – und sehr schnell wächst sie an ihrer Aufgabe. Die Bücher sind nicht mehr nur Bücher, sondern ein Sinnbild für all die Entbehrungen die sie erleiden mussten. Sie liebt und hegt und pflegt jedes der 8 Bücher – repariert kaputte Seiten und streichelt die Einbände – als wären sie ein vergessener Goldschatz.

Der Schreibstil war extrem emotional – hat mich von der ersten Seite an gefesselt. Die Ausweglosigkeit war zum Greifen nahe. Fast wie im Vorbeigehen wurde beiläufig über die ganzen Gräueltaten zb. von Mengele berichtet. Wie wenig ein Menschenleben damals wert war und welch schlimme Folter in den Lagern hinter verschlossenen Türen stattfand war kaum zu ertragen. Ich musste das Buch immer wieder wegelegen, zu sehr hat mich das Thema mitgenommen.

Die Charaktere wirken wie direkt aus dem Leben gegriffen. Dita war so eine wirklich tolle Persönlichkeit. Sie hat nie aufgegeben, sich mutig ihrer Angst gestellt. Sich vor ihre Mutter gestellt und riskiert ermordet zu werden. So einige Male ist mir das Herz in die Hose gerutscht, weil sie so leichtfertig etwas riskiert hat. Auch die Nebencharaktere haben mir ausgesprochen gut gefallen und waren mit extremer Tiefe gezeichnet.

Tempo war nicht wirklich vorhanden – aber bei dieser Art von Buch braucht es auch kein Tempo, von daher hat der Autor alles richtig gemacht. Ganz zum Schluss wie der Krieg zu Ende ging kam dann ein Herzschlagfinale. Es las sich schlimmer als ein Krimi und ich habe so mit Dita mit gezittert, ob sie es schafft den Krieg zu überleben.

Die Umsetzung hat mir wirklich ausgesprochen gut gefallen, der Autor hat eine hoch emotionale und berührende Geschichte um die Charaktere gewoben. Ich kann das Buch wirklich nur jedem empfehlen, vielleicht aber nicht unbedingt Holocaust Anfängern – es gibt sicher Bücher, die weniger deutlich schreiben was passiert ist als dieses hier. Aber wer sich mit dem Thema bereits befasst hat und weiß was einen erwartet der wird hier eine wirklich tolle berührende Geschichte vorfinden und Dita lieben lernen. Ich bin sehr dankbar, dass ich das Buch und Ditas Geschichte kennenlernen durfte!

Bewertung:

Schreibstil
Charaktere
Tempo
Spannung
Idee und Umsetzung

Rechte: Cover / Info – zum Zeitpunkt der Veröffentlichung beim Verlag

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RoXXie SiXX
27. September 2020 12:42

Hallöchen,

ich hab das Buch neulich erst auf meine Wunschliste gesetzt.
Danke für deine ehrlichen Eindrücke.

Liebst,
RoXXie

monerl
27. September 2020 14:43

Liebe Tanja,
schön, dass du auch wieder „gerne“ solche Bücher liest! Es hat sogar volle Punktzahl bekommen! Werde es mir gleich mal speichern.
GlG, monerl

Rina.P
27. September 2020 19:47

Holocaust Bücher sind auch für mich immer schwer zu lesen.
Aber generell Bücher bei denen Menschen ausgebeutet werden. Also auch Sklaven, oder Indianer – also auch da bin ich immer sehr betroffen.

trackback
1. Oktober 2020 11:12

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