[Rezension] Maik Messing – Leonora (Wie ich meine Tochter an den IS verlor) [57/2019]

Verlag: Econ (Ullstein Verlag)
Autor:  Maik Messing, Volkmar Kabisch, Georg Heil
Veröffentlichung: 06.09.2019
Genre: Biografie, Erfahrungen
Zeitalter: Gegenwart
Seiten: 353
Preis ebook: 16,99
Herkunft: Rezensionsexemplar Netgalley
Reihe: nein

Leonora Messing war 15 Jahre alt, als sie aus ihrem Dorf in Sachsen-Anhalt verschwand und sich in Syrien dem Islamischen Staat anschloss, um Drittfrau eines deutschen IS-Terroristen zu werden. Wie konnte sich Leonora so schnell so stark radikalisieren? Wie sieht ihr Leben in den Kriegswirren aus und was bedeutet das für die verzweifelten Angehörigen? Der Vater kämpft darum, Leonora aus dem umkämpften Rakka zurückzuholen – und geht dafür gefährliche Risiken ein… 
Ein dramatisches Stück Zeitgeschichte, das die Verführungskraft des IS und dessen Terror erklärt.  

Leonora Messing ist 15, lebt in einer Kleinstadt in Sachsen Anhalt, interessiert sich wie jede Jugendliche für Schminktips, KLamotten und Beauty und lebt nach Aussen ein ganz normales Leben. Sie hilft im Altenheim, ist in der Schule total beliebt. Sie wächst behütet bei ihrem Vater mit seiner neuen Frau auf. Er ist ziemlich locker in der Erziehung und lässt Leonora viel Freiraum.

Doch all das hat Leonora nicht gereicht, sie war auf der Suche nach etwas neuem, krassem etwas was anders ist um auszubrechen. Ihre beste Freundin ist Kurdin und sie beginnt sich für den Islam zu interessieren. Dort in der Familie gibt es einen tollen Familien Zusammenhalt. Bei sich zu Hause kapselt sie sich immer mehr ab und sehnt sich doch so sehr nach Familenleben, möchte heiraten und Kinder haben. All das geht in Breitenbach nicht, dort ticken die Uhren noch anders, in der Kleinstadt würde niemand verstehen wenn sie mit einem Kopftuch herumläuft. Es gibt keine Moschee und keine Läden mit koscherem Essen. Der Islam findet in Breitenbach schlicht nicht statt.

Leonora trifft im Netz auf verschiedene Menschen und Gruppen und das Rad des IS beginnt zu arbeiten. Es läuft immer gleich ab in jedem Buch kann man die selben Fangmethoden lesen. Die Mädchen werden geködert mit tollen idyllischen Bildern, ihnen wird nach dem Mund geredet und einfach Lügen aufgetischt. Sehr schnell begreifen die Mädchen dann nach der Reise zum IS, dass dort nix so ist wie es versprochen wurde und dann ist es schon zu spät.

Nach 4 Jahren ist Leonora zwar frei vom IS aber sie hängt immer noch in Syrien fest, weil die Deutschen Gerichte sich nicht dazu entscheiden können, das junge Mädchen und ihre mittlerweile 2 Kinder zurückzuholen. Eine Entscheidung die ich nicht treffen möchte.

Mich hat die Geschichte sehr bewegt. Leonora sieht so zerbrechlich aus, ist teilweise immer noch so naiv und kindlich obwohl sie mit ihren nun 19 Jahren mehr erlebt hat als mancher 80 jähriger. Ihre beiden Kinder sind zwischen Bomben und in völliger Armut zur Welt gekommen. Wenn ich sie sehe möchte ich sie einfach nur in den Arm nehmen und ihr sagen, dass alles wieder gut wird.

Das Buch unterscheidet sich von anderen Geschichten dieser Art, weil es durch die Zusammenarbeit mit 2 Journalisten entstanden ist. Das merkt man. Es gibt sehr viele sehr interessante Informationen zu dem ganzen Konstrukt des IS. Sovieles war mir nicht klar und ich habe die ganzen Infos mit großem Interesse gelesen. An manchen Stellen war es aber einfach zuviel Info. Ich wollte unbedingt wissen wie es mit Leo weitergeht und war manchmal fast erschlagen mit den ganzen Gruppen und Untergruppen der Al-Quaida. Das ist der einzige Kritikpunkt den ich habe.

Das Buch ist sehr informativ und ich ziehe meinen Hut vor der Familie von Leo. Ich finde das Buch sollte zur Plichtlektüre an Schulen werden! Die Gefahr ist allgegenwärtig und auch wenn der IS zurückgedrängt wurde bin ich sicher, dass sie woanders wieder in Erscheinung treten werden. Jeder Jugendlicher sollte begreifen was so eine Aktion nicht nur für ihn selbst sondern vorallem auch für die zurückgebliebenen Familien bedeutet!

One thought on “[Rezension] Maik Messing – Leonora (Wie ich meine Tochter an den IS verlor) [57/2019]

  1. Liebe Tanja,
    was ein Schicksal, für die Eltern und die junge Frau, die so eine schreckliche Entscheidung getroffen hat. Hab mir das Buch gleich aufgeschrieben und werde es ganz sicher lesen. Danke für den Tipp!
    GlG, monerl

    Hast du eigentlich schon beim September-Monatshighlight mitgemacht? Wenn nicht, dann vergess die Linkparaty nicht 😉

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