[Rezension] Christian Hardinghaus – Ein Held dunkler Zeit [40/2019]

Verlag: Europa Verlag
Autor:  Christian Hardinghaus
Veröffentlichung: 02.03.2018
Genre: historischer Roman
Zeitalter: 1930-1945
Seiten: 368
Preis ebook: 13,99
Auf dem Sub seit: 14.05.2019 ( 39 Tage)

Winter 1941/42, deutsche Stellungen in der Südukraine. Wilhelm Möckel, Unterarzt in der Panzer-Aufklärungs-Abteilung 16, kämpft einen verzweifelten Kampf – er benötigt das Eiserne Kreuz I. Klasse. Es ist die einzige Chance, in den Offiziersrang aufzusteigen und beim Führer ein Gnadengesuch einzureichen, um seine halbjüdische Frau »arisieren« zu lassen. Eine Ausnahmeregelung der Nazis verspricht ihr »deutsches Blut«, wenn er zum Helden wird … Als er Annemarie im Sommer 1932 kennenlernt, ist er wie vom Blitz getroffen. Sie ist die Frau, die er heiraten will, und auch für Annemarie ist es die große Liebe. Doch das junge Glück währt nicht lange, schon bald ziehen dunkle Wolken auf, und mit Hitlers Machtübernahme 1933 beginnt die offene Verfolgung von Regimegegnern und »rassischen Minderheiten«. Trotz eindringlicher Warnungen seines Zwillingsbruders Karl, der auf der Karriereleiter der NSDAP rasch emporsteigt, heiratet Wilhelm und schwört seiner Frau die Treue. Auch als er seine Kassenzulassung verliert, hält er zu ihr und den beiden Kindern. Da er Deutschland nicht verlassen will, sieht er nur noch einen Ausweg: Er meldet sich freiwillig zum Kriegseinsatz, um durch hervorragende Leistungen für das Deutsche Reich beim Führer eine Arisierung für seine Familie zu erbitten. Und so verschlägt es Wilhelm an die Ostfront, wo im eisigen Winter 1941/42 die russische Gegenoffensive beginnt, während Annemarie und die Kinder zu Hause immer stärker von NSDAP-Leuten bedrängt werden. Wird es Wilhelm rechtzeitig gelingen, sein Ziel zu erreichen?

Der Einstieg in das Buch fiel mir sehr schwer. Der Autor beginnt mit sehr komplexen Szenen aus dem Schützengraben und wirft mit Kriegsbegriffen um sich. Sehr schnell aber ändert sich das Geschehen und wir lernen Wilhelm und seinen Burschen Friedrich kennen.

Wilhelm ist Augenarzt und verliebt sich in die kecke Annemarie. Annemarie selbst erfährt durch Zufall, dass sie eine halbe Jüdin ist. (Ein Elternteil ist Arisch und das andere jüdisch) Im Zuge von Hitlers Machtübernahme wurden die Juden immer mehr verdrängt – Annemarie wird verboten ihrem Medizinstudium weiter nachzugehen. Und sie wird von den meisten Nachbarn und ehemaligen Freunden gemieden und geschnitten.

Wilhelm sieht nur eine Chance, er muss sich an der Front als Held beweisen. Wenn er genug Auszeichnungen erworben hat könnte er sich direkt an Hitler wenden und in einem Gesuch um „Arisierung“ seiner Familie bitten. Er meldet sich freiwillig für den direkten Fronteinsatz und kämpft dort um jedes Leben.

Die Szenen aus dem Krieg sind schwer zu ertragen. Wenige Bücher beschreiben direkt über die Soldaten und vorallem über das was die Sanitäter alles gesehen und miterlebt haben. Wilhelm und sein Bursche sind mutig, tapfer und wahre Vorbilder. Sie haben keine Scheu und retten so wichtigen Offizieren das Leben. Das Eiserne Kreuz wird ihm trotzdem verwehrt, weil der Oberst der dafür zuständig wäre spitz bekommen hat, dass Annemarie halbe Jüdin ist und er den Plan vereiteln möchte.

Ich habe so mitgelitten und mitgezittert, das Buch hat mich tief im Herzen angesprochen und tief bewegt. Der Autor ist Historiker und hat die Geschichte aus einem riesigen Dachbodenfund von Briefen, Tagebüchern und Fotos zusammengebaut. Er ist teilweise aus der Sicht von Friedrich geschrieben und dieser schriebt im Prolog, dass er sich schämt dafür, dass er die Geschichte um Wilhelm nicht erzählt hat und dass er findet, dass jeder Mensch erfahren sollte was für ein toller und heldenhafter Mensch Wilhelm war. Mir kamen schon da die Tränen – nach beenden des Buches noch viel mehr weil ich nun weiss, dass er Recht hatte und dass es wichtig war, dass diese Geschichte erzählt wird. Ich bin dankbar, dass ich sie lesen durfte und so einen wahren Helden kennenlernen durfte!

Wer Interesse an den wahren Personen hinter dem Buch hat Der Spiegel hat einen Artikel mit Fotostrecke herausgebracht. Allerdings, lest ihn nur wenn ihr das Buch schon gelesen habt oder nicht lesen wollt weil das Ende da natürlich drin steht und ihr euch um das wirklich tolle Buch bringen würdet!

https://www.spiegel.de/einestages/helmut-machemer-aus-liebe-freiwillig-an-die-weltkriegsfront-a-1195017.html

Für mich ganz klar absolute Höchstwertung und eins meiner Jahreshighlights (deshalb ganz ernst gemeint, lest den Link erst NACH dem Buch! ♥ vertraut mir! )

3 comments on [Rezension] Christian Hardinghaus – Ein Held dunkler Zeit [40/2019]

  1. Huhu! =)
    Mich hat das Buch ebenfalls sehr beeindruckt bzw. wie du schreibst liest man nicht so oft aus der Sicht der Schützengräben oder eines Sanitäters. Ich habe allerdings schon einige Bücher in dieser Richtung gelesen und greife immer wieder zu dieser Art Literatur #gegendasvergessen
    Danke auch für den link zum Artikel. Den werde ich gleich lesen.
    Meine Rezi zum Buch kannst du hier nachlesen:
    https://martinasbuchwelten.blogspot.com/2018/03/ein-held-dunkler-zeit-christian.html

    Kennst du auch seinen Roman über die Charite und Sauerbruch gelesen?
    Kann ich dir auch empfehlen!

    Liebe Grüße
    Martina

  2. Huhu Tanja

    Auch diese Rezi klingt sehr gut. Ich mag so Kriegsgeschichten auch nicht so gerne. Deiner Rezi lässt sich jedoch entnehmen, dass die Geschichte so viel mehr zu bieten hat. Ich werde das Buch mal im Hinterkopf behalten.

    Liebe Grüße,
    Gisela

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.