[Rezension] Die Engelmacherin von St. Pauli – Kathrin Hanke [32/2019]

Verlag*: Gmeiner Verlag
Autoren:  Kathrin Hanke
Veröffentlichung: 09.2018
Genre: True Crime, historischer Krimi
Zeitalter: 1900-1910
Seiten: 242
Preis ebook: 9,99
Reihe: nein

2. Februar 1905, 8.00 Uhr: In Sekundenschnelle saust das Fallbeil hinab und trennt Elisabeth Wieses Kopf vom Rumpf. Die Engelmacherin von St. Pauli, wie sie die Öffentlichkeit bereits nennt, ist für den Mord an mindestens fünf Babys vom Hamburger Schwurgericht schuldig gesprochen worden. Doch hat die Frau, deren Aussehen an die Hexe im Märchen erinnert, die Kinder wirklich im Ofen verbrannt? Sie leugnet es bis zum Schluss. Kathrin Hanke ist tief in den wahren Fall eingestiegen und damit in die Abgründe der Geschichte Hamburgs Anfang des 20. Jahrhunderts.

Bei diesem Buch kann ich nun mal sagen, dass mich NICHT zuerst das wunderschöne Cover ansprach – aber wiederum doch. Ich habe es in der Bücherhalle gefunden. Zuerst sprang mir St. Pauli ins Auge. (Als Hamburgerin kennt man den Stadtteil rund um die Amüsiermeile natürlich) und dann dieses furchtbar Angsteinflößende Cover. Trotzdem hat es mich magisch angezogen weil es eigentlich genau meinem Beuteschema entspricht.  (das Buch nicht das Cover 😉 )

Trotz allem habe ich eine Weile gebraucht es anzufangen und ich habe kurz überlegt ob ich einen Umschlag drumherum legen sollte aus Angst, dass Elisabeth Wiese direkt rausspringt.

Wir begleiten Elisabeth Wiese auf ihrem Weg und Leben als Hebamme. Ja diese freundlich dreinblickende Frau hat früher Babys auf die Welt geholt (wenn sie sie nicht „zufällig“ während des Geburtsvorgangs umgebracht hat) Sie ist total verhärmt, aggressiv, kalt und brutal – sie ist genau das was ihr Bild widerspiegelt. Sie schickt ihre Tocher Paula auf den Strich – nicht draussen sondern in der eigenen Wohnung. Prügelt sie mit einem Holzschuh wenn sie nicht pariert und versucht mehrfach ihren Ehemann Heinrich umzubringen um an sein Geld zu kommen. Auch soll sie mindestens 5 Babys im eigenen Ofen verbrannt haben.

Heinrich liebt sie nicht obwohl sie wohl früher wie er sie geheiratet hatte ganz passabel aussah – ihm reicht es wenn sie ab und wann die Beine breitmacht für ihn. Wenn sie in der Zwischenzeit zum Schuster oder anderen Handwerkern geht und sich dort auch unter den Rock fassen lässt ist es ihm total egal, solange er rankann wenn er grad möchte. Eine Zweckgemeinschaft, weil sie so leckere Kohlsuppe kocht und er ein warmes Heim hat. (da der Ofen ständig auf Hochtourem läuft ist es immer sehr warm in der wohnung)

Ich habe oft verzweifelt den Kopf geschüttelt und mich gefragt wie man so leben kann. So voller Hass und Habgier – ein jeder nur auf sein eigenes Wohl bedacht.

Ich will nicht zuviel erzählen, möchte euch nur einen Eindruck vermitteln, wie die Stimmung war die dieses Buch transportierte. Erwartet habe ich einen Kriminalfall und vorallem die Ermittlungen die schlussendlich dazu geführt haben, dass sie geköpft wurde. Aber von den Verhandlungen und Ermittlungen lesen wir erst ab dem letzten Drittel des Buches. Davor hätte ich das Buch eher als Biografie einer Wahnsinnigen eingestuft.

Die Geschichte basiert auf einem wahren Fall, der sich so (oder so ähnlich) zugetragen haben soll, Kathrin Hanke hat die Geschichte um Zeugenaussagen von damals herumgewoben. Das hat sie gut gemacht, die Atmosphäre ist mehr als beklemmend und die Brutalität und Garstigkeit von Elisabeth kommt sehr überzeugend rüber. Aber trotzdem ist es mir zuviel Biografie und zuwenig Kriminalfall. Ich bin am Ende nicht gänzlich überzeugt und würde 3,5 Hufies geben, da ich aber keine Hufies halbiere sind es dann halt 4.

Abraten tue ich nicht von dem Buch, wer mit dem Thema und der wirklich heftigen Art von Elisabeth umgehen kann, dem kann ich die Lektüre wärmstens ans Herz legen. Für zartbesaitete ist das hier eindeutig NIX!

Rechte: Cover / Info – zum Zeitpunkt der Veröffentlichung beim Verlag
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3 thoughts on “[Rezension] Die Engelmacherin von St. Pauli – Kathrin Hanke [32/2019]

  1. Huhu Lari,du meine Güte, das klingt ja wirklich nach einer heftigen Frau. Ich befürchte da gehöre ich wohl eher zu den zart besaiteten, für die diese Geschichte nicht ggeignet ist. Mir reicht bereits das Gefühl, das bei mir aufkam, während ich deine Rezension gelesen habe. Echt gruselig! Du machst mich sehr neugierig, aber das ist einfach nichts für mich.LGAnja

  2. Huhu Anja, ja ich hab bei Dir grad die Liste für zartbesaitete gesehen und mir gedacht ich schreibs lieber dabei, nicht jeder kann das so vertragen. Das ganze war schon sehr abscheulich weniger blutig – die Taten werden nicht genau beschrieben – aber die Art wie Elisabeth mit ihrer Umwelt umgegangen ist ist sehr hart. Da musste selbst ich einige Male schlucken und ich bin hartgesotten. LG Lari

  3. Biografie einer Wahnsinnigen macht mir grad genauso Angst wie das Cover. Oh man, ich hätte auch Angst gehabt, dass sie rausspringt 😀 Aber der Inhalt klingt echt gut, du hast mich direkt neugierig gemacht mit deiner Rezi. Werde es bestimmt auch lesen, auf die Liste isses gleich mal gewandert. <3

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